2 Kinder sitzen beim Tisch auf dem auch zwei selbstgebastelte Adventkalender stehen

Adventkalender zum Vorfreude-Steigern

So reizvoll kann Warten für Kinder sein – dank Adventkalender!

„Mama, wann ist endlich Weihnachten?“ Sobald sich in den Supermarktregalen die ersten Nikoläuse stapeln, müssen sich Eltern darauf einstellen, diese Frage zu hören. Es gilt also, den Kindern die Zeit bis zum Heiligabend zu „verkürzen“ und gleichzeitig das Warten auf den großen Tag mit Begeisterung zu zelebrieren. Dank Adventkalender (in Deutschland: Adventskalender) gelingt das eigentlich ziemlich gut.

Lernen, sich zu gedulden und die Beherrschung aufzubringen, 24 nur allzu verführerische Türchen, hinter denen sich Verheißungsvolles verbirgt, eines nach dem anderen und nicht alle gleich am ersten Tag zu öffnen – das verlangt den lieben Kleinen schon einiges an Disziplin ab! Ob das im Rest des Jahres auch gelingen würde? Ich weiß nicht recht… Aber in der Vorweihnachtszeit klappt das wunderbar, denn die Kinder gelangen rasch zur ernüchternden Erkenntnis: Weihnachten ist nun mal erst am 24. Dezember und nicht, sobald der Adventkalender leergeräumt ist. Das ist leider eine Tatsache. Also wird doch die langsame Annäherung in kleinen Schritten auf diesen ganz besonderen Tag hingenommen, denn das geduldige Warten auf den glitzernd-magischen Weihnachtsabend lohnt sich ja!

Es sind diese kurzen, erwartungsvollen Augenblicke im Alltag der Kinder, die ihnen ein sanftes Leuchten in die Augen zaubern … der Moment, in dem das vorsichtig geöffnete Türchen eine kleine Überraschung preisgibt. Ein liebevoll ausgewählter Adventkalender schürt die Vorfreude auf das Weihnachtsfest und macht die Zeit bis dahin, die für Kinder ohnehin schon mit Glanz und Herrlichkeit behaftet ist, noch ein bisschen aufregender.

Eine feine Sache also … Aber wer hat’s erfunden?

In Deutschland des 19. Jahrhunderts begegnete man der Ungeduld so mancher Kinder, indem man die Haustüre mit Kreidemarkierungen versah, von denen die Kleinen jeden Tag eine wegwischen durften. So wurde ihnen ein Gefühl dafür vermittelt, wie lange sie noch bis Weihnachten warten mussten. Oder man ließ bis zum Heiligabend eine Kerze täglich bis zu einer bestimmten Markierung abbrennen.

Die ersten gedruckten Adventkalender aus Papier mit kleinen bunten Bildern hinter 24 Türchen kamen 1908 im süddeutschen Maulbronn auf den Markt und fanden bald reißenden Absatz. Mit der Zeit änderten sich die Motive von anfangs christlichen hin zu nicht-religiösen Inhalten. Ab den 1950er Jahren wurden die traditionellen Bilder-Kalender, bei denen man „nur etwas sieht“, durch jene verdrängt, bei denen man „auch etwas schmeckt“: Die Hochkonjunktur der Schokolade-Adventkalender war angebrochen! Und sie waren gekommen, um zu bleiben, denn noch heute gehört die Schoki-Version zu den absoluten Bestsellern in der Vorweihnachtszeit. Auch bei uns zuhause hat ein stattliches Exemplar Einzug gehalten. Aber es blieb nicht bei dem einen…

Die Auswahl ist unüberschaubar geworden

Heutzutage gibt es Adventkalender in allen möglichen nur erdenklichen Ausprägungen – vom klassisch-putzigen Bilder-Kalender über die sündhaft-süßen Schokolade-Kalender bis hin zu den unterschiedlichsten Spielzeug-/Genuss-/Bastel-/Beauty-/Geschichten-/Krimi-/Was-Auch-Immer-Kalendern. Ich bin ob der skurrilen Auswüchse immer wieder verwundert. Gibt es überhaupt noch eine Branche, die ohne Adventkalender auskommt? Inzwischen haben findige App-Programmierer die Idee Adventkalender längst schon ins digitale Zeitalter gehievt und immer mehr online-Shops liefern vom 1. bis 24. Dezember – ebenfalls als Adventkalender getarnt – täglich wechselnde Sonderangebote auf das Display der willigen Konsumenten.

Adventkalender gut und schön … aber welchen?

Adventkalender sind tatsächlich ein recht wirkungs- und effektvolles Mittel, den Kindern aufzuzeigen, dass sich Geduld nicht nur lohnt, sondern dass das Warten an sich auch nichts Schlimmes ist. Doch welchen Adventkalender wählt man für seine Kids? Es sind ohnehin nur ein paar Jahre, in denen man hier „Mitspracherecht“ hat, denn irgendwann werden sehr konkrete Wünsche vonseiten der Kids geäußert, um die man nur schwer herumkommt (außer man hat echt gute Argumente bei der Hand…)

Ich selbst war in Bezug auf Adventkalender für meine eigenen Kinder, als sie noch klein waren (und ich noch alleine über dessen Inhalt bestimmen durfte), stets eine Befürworterin von folgenden drei Ansätzen:

1) möglichst individuell

Adventkalender müssen 24 Türchen haben? Von wegen! Meine Tochter Astrid hat am 28. November ihren „Halb-Geburtstag“, wurde also am 28. November im Jahre 2002 exakt ein halbes Jahr alt. Eine perfekte Gelegenheit, meiner Tochter ihren ersten, maßgeschneiderten Adventkalender zu schenken – nämlich einen, der aus 27 (richtig gelesen!) selbstgenähten kleinen Säckchen bestand und nicht erst mit „1“, sondern mit der Zahl „28“ begann und sowohl „29“ als auch „30“ beinhaltete, bevor es mit „1“ weiterging. Womit die Säckchen für ein Baby mit gerade einmal einem halben Jahr damals gefüllt waren? Das verrate ich Euch unter Punkt 2.

Auf jeden Fall bekam sie damals drei Säckchen mehr als sonst üblich, um auch die letzten drei Novembertage zu berücksichtigen und so auch ihren „halben Jahrestag“ auf eine besondere Art zu zelebrieren.

(Dass ich mit meiner Familie gerne den einen oder anderen originellen Anlass hernehme, um ihn zu feiern, habe ich Euch im eigenen Blogbeitrag „Kreative Party-Anlässe“ schon verraten.)

Adventkalender maßgeschneidert

Diese sehr persönliche Variante, bereits mit dem 28. November in die Adventkalender-Saison zu starten, behielten wir über viele Jahre bei. Doch so einen Adventkalender gibt es natürlich nicht von der Stange, der musste individuell gefertigt werden. Nach den kleinen Säckchen des ersten Jahres bastelte ich daher ein robustes, immer wieder verwendbares Konstrukt aus leeren-WC-Papierrollen, das jährlich durch eine frische, grüne Karton-„Fassade“ in Form eines Weihnachtsbaums verschönert wurde. Aber auch hier begann die Vorfreude-Zeitrechnung mit „28“ und hatte 3 Türchen mehr als sonst. Den Kids hat es immer gefallen, einen ganz auf sie maßgeschneiderten Adventkalender zu besitzen und natürlich freuten sie sich über drei zusätzliche Überraschungen.

Dieser selbstgebastelte Adventkalender in Form eines Christbaums (eigentlich waren es zwei davon, denn Gregor bekam bald seinen eigenen) wurde über Jahre zur liebgewonnenen Tradition bei uns daheim. Selbst als sich die Kids unbedingt einen Playmobil-Kalender wünschten, habe ich diesen im Vorfeld in einem Schwung ausgeräumt (herrlich, wenn man das ohne schlechtes Gewissen machen kann!) und wiederum – mit einigen Süßigkeiten ergänzt – auf die WC-Papierrollen meines DIY-Adventkalenders aufgeteilt.

Zwei Kinder vor ihrem selbstgebastelten Adventkalender und Adventkranz mit einer brennenden Kerze

2) “Zeit statt Zeug“

… was für ein wertvoller Zugang zum Thema Schenken und Adventkalender!

Anstatt dem ohnehin schon überbordenden Konsumwahn zu fröhnen, lieber wertvolle Qualitätszeit zu verschenken, ist doch wirklich ein sehr rühriger, allseits anzustrebender Gedanke! Zeit-Gutscheine für gemeinsame Aktivitäten etwa erfreuen Kinder und Erwachsene gleichermaßen, egal wie alt sie sind. Eine ähnliche Idee verwirklichen wir bei uns auch im heurigen Jahr (zusätzlich zur Schokoladen-Ausführung): Jedes Familienmitglied – inklusive meiner beiden mittlerweile erwachsenen Kids von 19 und 21 Jahre – notiert, was es entweder noch im heurigen Advent bzw. bis spätestens Ende 2024 gerne erleben will und wer aus der restlichen Familie dabei sein soll. So entsteht ein vielfältiges Sammelsurium von Erlebnis-Vorsätzen, die für jeden sichtbar aufgehängt werden. Am Ende des nächsten Jahres werden hoffentlich alle angestrebten Aktivitäten abgehakt sein – das wäre zumindest der Plan.

Adventkalender vor einem Fenster mit 24 Säckchen, in denen zusammengerollte Zettel stecken

Ach ja – ich bin Euch noch eine Information schuldig, die ich Euch etwas weiter oben angekündigt habe: Nämlich – was steckt man einer kleinen Maus mit gerade einmal einem halben Jahr in den Adventkalender? Ich entschied mich damals für eine kunterbunte Mischung aus unterschiedlichsten babytauglichen Kniereiter-, Bewegungs- und Fingerkitzelspielen! Jeden Tag zog ich für Astrid ein Zettelchen aus einem der Säckchen und probierte mit ihr gemeinsam das neue Sprüchlein aus. So eigneten wir uns im damaligen Dezember in innigen Kuschel- und Spielstunden ein ordentliches Repertoire an herzigen Babyspielen an – von ganz sanften Streicheleien bis zu ziemlich wilden Hopsereien. Manche gefielen ihr, manche nicht und von einigen konnte sie gar nicht genug kriegen. Ihr absoluter Favorit, der uns noch über Jahre hinweg begleitete: ein beschwingter Kniereiter namens „Schotterfahren“!

3) Wenn schon Spielzeug, dann etwas „Aufbauendes“

Anstatt beliebig austauschbaren, oft sogar unnötigen Krimskrams in den Adventkalender zu stecken, mag ich die Idee, jeden Tag einen kleinen „Baustein“ zu verschenken, woraus schlussendlich etwas Ganzes, etwas Großes entsteht. Solch aufeinander aufbauende Inhalte fand ich eigentlich immer recht spannend, weil es den Kids zeigt, dass sich selbst vermeintliche Kleinigkeiten miteinander zu etwas besonders Reizvollem vereinen können.

In dem Jahr, als Astrid eineinhalb Jahre alt war, fand sie in ihrem Adventkalender z.B. jeden Tag einen Bestandteil, um daraus ein weihnachtliches Kinder-Mobile als Deko für die Küche zu basteln. Wie das am Ende ausgeschaut hat, ist übrigens auf dem Beitragsbild ganz oben zu sehen.

Ein Spiel wird erst am 24. Dezember komplett

Später wählte ich zu diesem Zweck manchmal ein Spiel aus, das aus genügend Einzelteilen bestand, um sie auf die 27 WC-Papierrollen meines selbstgebastelten Weihnachtsbaums aufzuteilen. Das machte ich z.B. mit einem Balancespiel in Form eines Wackel-Schiffs, auf das die Kids vorsichtig kleine Piratenfiguren setzen mussten – in der Hoffnung, dass sie nicht umkippen. Hinter dem ersten Türchen versteckte ich allerdings eine kleine Landkarte, damit sie wissen, wo im Haus sie nach dem Schiff als Basis suchen mussten, denn das passte beim besten Willen nicht in eine WC-Papierrolle. Danach fischten sie jeden Tag einen oder mehrere Piraten aus dem Adventkalender, bis das Spiel am Heiligabend komplett war und unter dem Weihnachtsbaum landete. Nach demselben Prinzip sammelten sie im Jahr darauf über 27 Tage verteilt alle Elemente für eine umfangreiche Holz-Kugelbahn zusammen.

Puzzle-Challenge als Adventkalender-Füllung

Eine – wie ich finde – besonders reizvolle Idee verwirklichte ich 2009, als meine Knirpse 5 und 7 Jahre alt waren: Ich besorgte ein hübsches Puzzle mit allen möglichen Disney-Charakteren mit stattlichen 1000 Teilen, an dem sie in diesem Alter kläglich gescheitert wären. Aber ich teilte das gesamte Puzzle so auf, dass jedes Kind jeden Tag einen überschaubaren Anteil von 16-20 Teilchen in seinem Adventkalender fand, die immer haargenau zusammenpassten. Das war machbar… Und so wuchs das Puzzle über den Advent laufend an, bis die beiden Kids schließlich am Morgen des 24. Dezembers die letzten Teilchen einsetzten und voll Stolz vor einem fertigen 1000er Puzzle saßen, das sie selbst gemeistert hatten! Der einzige Haken daran: Ich musst das gesamte Puzzle zuvor heimlich zusammenbauen, um dann die jeweils passenden Puzzlestücke zusammenzusammeln. Aber so etwas macht mir ohnehin Spaß.

Zwei Kinder sitzen neben einem fertigen Puzzle mit 1000 Teilen

 

Mit nur ein wenig Kreativität lässt sich also durchaus ein individuell auf das eigene Kind abgestimmter Adventkalender verwirklichen und ich bin überzeugt, dass sich die Mühe auszahlt! Schließlich wollen wir in unseren Kids in der Vorweihnachtszeit mit ein bisschen Zauber die Vorfreude auf das große Weihnachtsfest wecken. Dass dabei auf spielerische Art Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen geübt werden, ist ein begrüßenswerter Nebeneffekt.

Ein Adventkalender für Rätselfreunde

Wer zusätzlich den detektivischen Spürsinn seines Kindes schulen möchte, dem empfehle ich meine neue Squirrally-Heimrallye, die seit kurzem online verfügbar ist: „In 24 Rätseln durch den Weihnachtswald“. Diese Rätselrallye für zuhause kann sowohl als Adventkalender verwendet werden (indem jeden Tag ein Rätselkuvert geöffnet wird), oder aber „in einem Rutsch“ durchgespielt werden – z.B. um die Wartezeit bis zur Bescherung am Weihnachtstag zu überbrücken oder als stimmungsvolle Unterhaltung bei einem Familienfest oder einem Kindergeburtstag, der im Advent stattfindet.

Kleine bunte Kuverts, die auf ein Geschenkband aufgefädelt sind und eine Weihnachtsgirlande ergänzen

Apropos Kindergeburtstag… Wäre es nicht auch mal eine nette Idee, nicht nur vor dem Weihnachtsfest, sondern auch vor einer anderen großen Feier einen Art Endspurt einzuläuten – ähnlich einem Adventkalender? Das Prinzip hat sich schließlich bewährt und kommt bei den Kindern unheimlich gut an: Einen Countdown-Kalender fürs nächste Kinderfest … diese Idee behalte ich mal im Hinterkopf!

Was haltet Ihr davon?
Bzw. wie sieht Euer Adventkalender aus? Schreibt mir gerne in die Kommentare…

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