Ein Hobby für die ganze Familie!

„Ich mach was gemeinsam mit Mama und Papa!“

Wandern, Reiten, Gärtnern, Modelleisenbahn, Campen, Malen, freiwillige Feuerwehr oder die zu beachtlicher Größe angewachsene Briefmarkensammlung … Als Eltern ist es uns ein Bedürfnis, unsere Leidenschaften mit unseren Liebsten zu teilen und unseren Kindern Türen zu öffnen, die zu einer Welt der gemeinsamen Entdeckungen führen. Doch wie gelingt es, die eigenen Kinder für das eigene Hobby zu gewinnen?

Klingt nach einer Herkulesaufgabe? Nicht doch…! Der Weg zu gemeinsamen Abenteuern kann auch reich an Freude und wechselseitigen Lernerfahrungen sein. In diesem Blogbeitrag möchte ich ein wenig die erstaunlichen Vorteile beleuchten, die sich daraus ergeben, wenn wir es schaffen, unsere Kinder (langfristig) für unsere Interessen zu begeistern.

Ein Mann und zwei Kinder im Lotussitz machen Yoga in sanfter Umgebung

Sport ohne Ende, jeden Morgen Yoga, in Musik versunken, im kreativen Schaffen aufgegangen, stundenlang Puzzles gelegt, ausgiebig Flohmärkte durchstöbert etc. etc. etc. … Was haben wir nur alles gemacht, bevor sich Nachwuchs eingestellt und damit die eigene Welt vollständig umgekrempelt hat. Die Hobbys, denen wir womöglich jahr(zehnt)elang mit Begeisterung nachgegangen sind, reihen sich mit einer eintretenden Elternschaft in der Prioritätenliste ganz rasch nach unten. Andere Bedürfnisse – nämlich jene dieser süßen, aber hilflosen neugeborenen Wesen – schieben sich berechtigterweise nach vorne. Und das ist auch gut so.

Doch wenn wir es geschickt anstellen, müssen wir unsere Interessen nicht dauerhaft und komplett beiseiteschieben. Die wichtigsten unter ihnen, nämlich die, die wir auch gerne an unseren Nachwuchs weitergeben wollen, die sollten wir beizeiten hervorkramen und ohne Reue wiederbeleben – in der Hoffnung, junge Nachahmer:innen im eigenen Haushalt zu finden. Denn die Herausbildung gemeinsamer Interessen zwischen Eltern und Kindern spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Entwicklung einer starken Bindung zueinander. Und das ist doch wirklich eine anzustrebende Vorstellung!

Mutter mit Kleinkind am Schoß spielen zusammen Klavier

Hier ein paar Tipps zur Vorgehensweise, wie dieses Kunststück gelingen kann:

 

1. Begeisterung teilen!

Zeigen wir unseren Kindern frühzeitig, wie sehr wir unser Hobby lieben und darin aufgehen. Kinder schauen zu ihren Eltern auf und ahmen ihr Verhalten nach. Erklären wir ihnen auf kindertaugliche Weise, warum es uns wichtig ist und wie es unser Leben bereichert. Kinder werden eher Interesse daran zeigen, wenn sie sehen, dass etwas für ihre Eltern von großer Bedeutung ist und dass sich das Ausleben dieser Passion positiv auf verschiedene Bereiche auswirken kann.

2. Gemeinsame Erlebnisse schaffen!

Binden wir unsere Kids aktiv in unsere Hobbys ein, indem wir – wenn möglich – gemeinsame Aktivitäten oder Projekte gestalten. Dadurch fühlen sie sich besser involviert und haben mehr Spaß dabei. Gleichzeitig fördert dies die Zusammenarbeit, stärkt die Beziehung und ermöglicht es den Kindern, vom Wissen und Erfahrung der Großen zu profitieren.

3. Auf positives Umfeld achten!

Stellen wir dabei aber sicher, dass die Umgebung, in der wir unser Hobby teilen, positiv und unterstützend ist und bleibt. Das bedeutet: Keinen Druck auf die Kinder aufbauen und jedes Bemühen, jeden Fortschritt der Kids anerkennen. Eine positive Einstellung des gesamten Umfeldes wird die Motivation der Kinder fördern.

4. Spielerisches Lernen ermöglichen!

Versuchen wir, zunächst die kinderfreundlichen Aspekte unseres Hobbys hervorzukehren und den Einstieg für die Kids spielerisch zu gestalten. Wenn es sich um eine handwerkliche Tätigkeit handelt, sollten die Kinder mit einfachen Übungen beginnen. Wenn es sich um eine sportliche Betätigung handelt, fangt mit lockeren Übungen und Spielen an. Der Fokus sollte zunächst unbedingt auf dem Spaß liegen – dann trägt die von Natur aus mitgegebene kindliche Neugierde bestimmt auch ihre Früchte und sie bleiben an der Sache dran.

5. Freiraum für Eigeninitiative lassen!

Geben wir unseren Kindern Raum, ihre eigenen Ideen und Kreativität einzubringen. Dies fördert ihre Eigeninitiative und lässt sie unser Hobby als etwas Eigenes betrachten. Es ist wichtig, ihre persönliche Individualität zu respektieren und sie nicht zu etwas zu zwingen, was ihnen nicht entspricht. Aber wer weiß – es könnte schließlich sogar sein, dass sie neue Wege finden, das Hobby zu erleben, die auch die Eltern positiv überraschen könnten.

6. Geduldig bleiben!

Nicht immer schwappt die elterliche Begeisterung sofort auf die Kinder über. Dann heißt es Geduld und Gelassenheit mitbringen sowie bei Bedarf an einigen Stellschrauben zu drehen. Kinder können und dürfen natürlich unterschiedliche Interessen haben, und es ist wichtig, flexibel zu sein. Wenn sie bestimmte Aspekte des angestrebten Familienhobbys nicht mögen, versuchen wir, Alternativen zu finden, die besser zu ihnen passen. Die Flinte bei der ersten Gegenwehr gleich ins Korn zu schmeißen, wäre wirklich unheimlich schade!

Älterer Herr mit Gießkanne im Garten, dahinter ein kleines Mädchen, das ihm zusieht

Die Begeisterung der eigenen Kids für die eigenen Interessen zu wecken, erfordert also eine einfühlsame und gleichzeitig freudvolle Herangehensweise. Dass sich diese „Mühe“ lohnt, darf als erwiesen betrachtet werden. Die Einführung unserer Hobbys in das Leben unserer Kinder hat nachweislich positive Auswirkungen auf ihre ganzheitliche Entwicklung. Von kognitiven Fähigkeiten bis hin zu sozialen Kompetenzen – der Einfluss gemeinsamer Interessen erstreckt sich über verschiedene Bereiche des kindlichen Wachstums. Umgekehrt bringt das Teilen eines Hobby mit unseren Kindern nicht nur eine Fülle von positiven Effekten für ihre Entwicklung mit sich, sondern bereichert auch unsere eigenen Erfahrungen.

Die Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich in gemeinsamen Aktivitäten zu engagieren, schafft also nicht nur kostbare Erinnerungen, sondern stärkt auch das Vertrauen sowie die Verbindung zwischen Eltern und Kindern und eröffnet eine Welt des Verständnisses, in der sich unterschiedliche Generationen auf einer gemeinsamen Ebene begegnen.

Meine Lieblings-Hobbys zum Teilen: Schwimmen, Musik & Reisen

Väterlicherseits wurden vor allem zwei Sport-Leidenschaften sehr erfolgreich von kleinauf an die Kids weitergegeben: Fußball und Schifahren, sodass beide bereits vor einigen Jahren die Schilehrer-Ausbildung absolvieren konnten und jedes Jahr gemeinsam dem Varianten-Schifahren fröhnen. Zudem spielt Gregor seit seinen Kindheitstagen Fußball beim SV Stockerau und ist mittlerweile sogar als Nachwuchs-Trainer beim LAZ Stockerau aktiv.

Aber natürlich gab es auch von meiner Seite einige Herzensanliegen, mit denen ich die Kids rasch vertraut machen wollte:

*) Schwimmen

Ich schwimme sehr gerne, am liebsten in ruhigen Freigewässern. Dass meine Kinder frühzeitig schwimmen lernen, war mir demnach sehr wichtig und zum Glück waren sie dem Element Wasser gegenüber nie abneigend eingestellt. Also wurden die beiden schon als Mini-Knirpse zum Babyschwimmen ins Hallenbad mitgenommen. Ich erinnere mich noch genau daran, als die kleine Astrid-Maus oben auf der lustigen Elefanten-Babyrutsche saß und ihr bevorstehendes Rutschmanöver lachend mit den Worten „Astrid … Fisch!“ ankündigte.

Als meine beiden Kleinen zu groß für den Babyschwimmkurs wurden, habe ich einige Mamas mit gleichaltrigen Kids zusammengetrommelt, um uns allen einen Kleinkinderschwimmkurs zu ermöglichen. So war Astrid gerade mal 18 Monate alt, als sie – gänzlich ohne Schwimmhilfe – die Breitseite des Hallenbad-Kinderbeckens in Stockerau durchqueren konnte. Diese Leidenschaft für die sportliche Betätigung im kühlen Nass blieb sowohl ihr als auch mir erhalten und so sind wir noch heute gelegentlich nebeneinander beim Längenziehen im Hallenbad oder im Sommer am Donau-Altarm in Greifenstein anzutreffen.

Edith mit Gregor als Baby im Babyschwimmkurs

Edith mit Gregor im Babyschwimmkurs

*) Musik

Als Musikliebhaberin und leidenschaftliche Konzertgeherin (unterschiedlichster Richtungen) war es mir auch ein Anliegen, den Kids das Tor zur Welt der Musik zeitig und weit aufzustoßen. Um Kinder mit der Materie der klassischen Musik vertraut zu machen, kann ich mit bestem Gewissen die wunderbaren Musikbilderbücher von Marko Simsa empfehlen… die haben die beiden geliebt!

Außerdem haben beide Kids in der Musikschule ein Instrument gelernt: Astrid Klavier und Gregor Schlagzeug. Während Astrid ihre Piano-Ambitionen nach rund drei Jahren wieder vernachlässigt hat, fruchtete diese Schiene bei meinem Sohn mehr, denn er besucht seit seinem 7. Lebensjahr die Musikschule Stockerau und trommelt in seiner Freizeit noch immer leidenschaftlich gern auf seinem Schlagwerk herum.

Was beide Kinder von mir mitgenommen haben, ist ihre Liebe zu Livekonzerten bzw. Musikfestivals. Eines der ersten richtig großen Konzerte, zu dem ich alle zwei mitgenommen habe, war übrigens der Auftritt der hervorragenden A-capella-Band Pentatonix 2016 in der Wiener Stadthalle. Zu den absoluten Highlights in unserer Familien-Konzert-Historie gehört auf jeden Fall der Coldplay-Mega-Gig im Rahmen ihrer farbenprächtigen „A Head Full Of Dreams“-Tour im Sommer 2017.

Familie Schillinger beim Aufnehmen eines Selfies nach dem Coldplay Konzert in Wien

Beim Coldplay Konzert in Wien

*) Reisen

„Den Kindern die Welt zeigen“ … das war schon immer ein wichtiges Bestreben meinerseits. Für mich war das u.a. einer der Wege, um ihnen Werte wie Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln. Und sie mit den individuellen Reizen der unterschiedlichsten Gegenden – meist abseits von Sandstrand und Hotelpool – vertraut zu machen und ihren Horizont weit aufzumachen. Astrid meint heute rückblickend dazu:

„Mich haben die Erzählungen meiner Freundinnen, was sie im üblichen Badeurlaub erlebt haben, zwar immer ein bisschen neidisch gemacht, aber was wir im Gegensatz dazu schon alles gesehen haben…! Wenn ich einmal Kinder habe, würde ich ihnen auch gerne die schönsten Ecken der Welt zeigen und nicht nur am Sandstrand Burgen bauen. Das wäre mir zu einseitig.“

Leider hat es mit einer elftägigen Sri Lanka-Rundreise im Jahr 2018 „nur“ zu einer richtigen Fernreise gereicht, aber innerhalb Europas haben die zwei echt schon allerhand gesehen und erlebt! Was alles, das erfahrt Ihr demnächst in einem eigenen Blogbeitrag… bleibt dran!

Edith mit Astrid und Gregor auf dem Flughafen mit Reisegepäck

Familie Schillinger geht auf Reisen

 

Aus diesem reichgefüllten Füllhorn der Erinnerungen schöpfe ich auf jeden Fall noch heute u.a. Ideen für meine in Kürze ausgeschriebenen Squirrally-Rätselrallye-Reisen!

Verpasste Gelegenheit…

Bedauert habe ich nachträglich, dass ich ein besonders liebgewonnenes Hobby mit der ersten Schwangerschaft auf Eis gelegt habe: Stepptanz. Ich fürchtete damals, das Herumgehüpfe würde dem Baby im Bauch nicht guttun (was bei gemäßigter Intensität natürlich Unsinn ist). Dennoch … es dauerte weit über 10 Jahre, bis ich die Lücke wieder schloss und seitdem besuche ich einmal wöchentlich einen Stepptanzkurs im Tanzstudio von Liz Mills. Aber um meine ansonsten tanzbegeisterte Tochter mit dem Stepp-Virus zu infizieren, war es dann leider schon zu spät. Sonst würden wir womöglich jetzt gemeinsam auf einer Bühne stehen und gemeinsame Erlebnisse für die Ewigkeit einfangen…

7. Tipp: Lebenslange Verbindung schaffen!

Egal ob schräges oder eh ganz „normales“ Hobby … Seine Kinder für die eigenen Leidenschaften zu begeistern, geht weit über das Teilen einer Freizeitbeschäftigung hinaus. Vielmehr schafft es eine Grundlage für lebenslange Verbindungen. Die emotionale Verbundenheit, die durch gemeinsame Erlebnisse entsteht, bildet das Fundament für eine starke Beziehung, die auch noch im Erwachsenenalter der Kids bestehen bleibt. Im besten Fall kann sie sogar über mehrere Generationen hinweg zu geteilter Freude beitragen, wenn sich etwa Oma, Mama und Enkerl in ihrer Freizeit zu gemeinsamen Aktivitäten einfinden und miteinander ausleben. Das ist doch eine Vision, für die es sich lohnt, den Weg zu gehen, oder?

Drei Kinder von hinten, die mit Wanderstock auf einem Spazierweg gehen

Eines der klassischen Hobbys, das viele Eltern teilen, ist das Wandern. Doch gerade hier hat es den Anschein, als wäre es recht schwierig, Kinder dazu zu motivieren … Gelingen kann auch das dank spielerischem Zugang. Das Schlüsselwort: „Geocaching“. Selbst mit den Kids ausprobiert und als richtig spannend eingestuft: meine Eindrücke habe ich in einem eigenen Blog-Beitrag über Geocaching festgehalten.

Welche Familienhobbys werden bei Euch ausgelebt und an die nächste Generation weitergegeben? War es schwierig, sie Euren Kids schmackhaft zu machen? Berichtet mir gerne in den Kommentaren…

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